Hear me now

„Hallo?!“ Genervt stehe ich im Gang des Buses, der einzige freie Platz ist am Fenster. Doch ich kann mich nicht draufsetzen, denn der Typ rührt sich nicht. Also so gar nicht. Keinen Zentimeter. Er rührt sich einfach nicht. Und damit meine ich dieses Mal nicht nur das „nicht zur Seite rutschen“, sondern auch Atemzüge.

Nichts.

Kein Blinzern, kein Zucken – star und stumm. HInter mir pöbelt jemand, ich soll weiterlaufen. Meckert und murmelt etwas über Dinge, die ich mit Genitalien tun soll, aber es ist mir egal. Wie soll ich mich jetzt weiterbewegen, wenn hier so offensichtlich etwas nicht stimmt? Das ungute Gefühl in meinem Bauch kommt nichit von PMS, dafür ist nicht die richtige Zeit, sondern von der Ahnung, dass hier etwas FUrchtbares passiert sein muss. Meine Hand zittert, als ich sie ausstrecke, um ihn zu berühren.

Er kippt zur Seite.

Ohne sich zu regen.

Jemand schreit. Schrill, gellend.

Ich bin die, die schreit.

Jemand schiebt mich zur Seite, greift nach den Kopfhörern. Gut, da sind sie ja wieder.“

Verwirrt und schockiert starre ich, starren wir uns an. 

„Was denn? Das sind meine. Die hat er sich ohne zu fragen aus meiner Tasche ausgeliehen.“ Die Kalte in der Stimme ist gruselig. Ohne die Ohrmuscheln zu berühren, packtt sie die Kopfhörer in eine Plastiktüte und dann weg. „Diebe sollten irgendwann einfach mal eine Lektion verpasst bekommen. Nur so lernen andere ebenfalls etwas. Und da er sie nun offensichtlich gelernt hat, ist doch alles gut.“ Ihr Lächeln erinnert an eine Katze. „Sich an fremdem Eigentum zu vergreifen, ist halt nicht immer die beste Idee.“ 

Langsam sickert die Erkenntnis in mich. Angstvoll starre ich sie an. Sie zwinkert mir zu. 

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