Prolog

Juli 14, 2019

Ich dürfte eigentlich gar nicht hier sein.
Gut, mag nun die eine oder andere denken, das würde vermutlich jede in dieser Situation sagen. Zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, kann etwas ziemlich Schlimmes sein. Jetzt und hier würde ich jede bemitleiden, die in meiner Situation wäre. Und mir gleichzeitig – nicht bösartig, aber zumindest mit gerunzelter Stirn – denken, dass diejenige ja schon irgendwie… naja, nicht selbst Schuld wäre,nein, aber dennoch… sagen wir… unvorsichtig gewesen wäre.


Ich hätte es besser wissen müssen, weiß die Göttin, und jetzt stehe ich hier umgeben von lauter Menschen, die mir ans Leder wollen.
Das mit dem „ans Leder gehen“ meine ich übrigens ernst: Vor mir vibriert gerade ein Türknauf unter der Magie der einen Hauptverdächtigen, während hinter mir die andere Hauptverdächtige langsam den Dreh herausbekommt, wie eine mit Hilfe von Ranken eine schwere Eisentür aufbekommt. Ich muss zugeben, dass ich diese Art der Pflanzenmagie bislang unterschätzt hatte. Immerhin können normale Pflanzenwurzeln auch Mauerwerk zum Einsturz bringen, wenn sie genug Zeit haben, nicht wahr?

Und hinter den beiden Damen – da mache ich mir gar nichts vor – stehen noch weitere Personen Schlange. Beliebt gemacht habe ich mich bei keiner von ihnen, so viel steht fest, doch nur eine will mich mit Sicherheit töten.
Ich sollte endlich etwas tun – stillzuhalten ist ja auch sonst nicht meine Art. Ich befinde mich in einem kleinen Zimmer mit zwei Ausgängen, hinter beiden lauert jeweils eine Hauptverdächtige. Und ich überprüfe das Fenster nochmals, aber ja, sie halten es mit einer magischen Sperre noch immer verschlossen. Die Türen werden nicht mehr lange halten, trotz der Möbelstücke, die ich davorgeschoben habe. Ich muss diesen Raum verlassen, und zwar sofort. Dafür müsste ich allerdings wissen, wer hinter welcher Tür auf mich lauert. Ich weiß, welche Frauen gerade die Türen bearbeiten und ich meine auch zu wissen, wer sich hinter der jeweiligen zusammengefunden hat. Wer auf wessen Seite steht. Haarfeine Unterschiede, die jetzt über mein Leben entscheiden werden. Hinter einer der Türen wartet Hilfe, hinter der anderen mein Tod. Öffne ich die letztere, wird es zu einem Handgemenge kommen und meinen Tod werden sie wie einen tragischen Unfall, geschehen im Eifer des Gefechts, aussehen lassen.

Ich muss hier raus. Die alles entscheidende Frage lautet also: Hinter welcher Tür – Glut oder Ranken – wäre ich in Sicherheit?
Oder anders ausgedrückt: Wer hat Verena Konstanze ermordet?

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