Rudelkämpfe – Oliver Bruskolini

Dezember 25, 2018

Kennst du dieses Gefühl, dich immer wieder beweisen zu
müssen? Wenn du dich immer wieder durchsetzen musst, um
dir das Standing zu erarbeiten, das du gerne hättest? Jedes
Rudel hat sein Alphatier, selten von Geburt an. Eine solche
Position muss erkämpft werden. Ein Beispiel hierfür sind
Hunde. Im Rahmen der Familie wissen die Vierbeiner um ihre
Position, wissen, dass die Rolle des Alphatiers dem Halter
zufällt. Aber wenn du deinen Hund auf einer Hundewiese
springen lässt, gemeinsam mit anderen Hunden, dann wird sich
sein Verhalten verändern. Er beginnt, um eine Position zu
kämpfen. Dabei verhält er sich vollkommen anders, als du es
von zuhause kennst. Ist dieses Verhalten bei Menschen anders?
„Florian David Jakobson“, ertönte die Stimme seiner Mutter. Er
kannte diese Tonlage. Seufzend stieß er sich von seiner
Schreibtischplatte ab und ließ den Bürostuhl zurückrollen.
Dabei bemerkte er, dass er vergessen hatte, den Bildschirm
seines Computers auszuschalten. Er geriet in Hektik, beugte
sich nach vorn und streckte sich nach dem Knopf, der ihm eine
peinliche Situation ersparen konnte.
Fast schon mit einem Hechtsprung gelang es ihm, den Schalter
zu betätigen. Dann passierte alles auf einmal. Er hörte, wie die
Tür zu seinem Zimmer aufflog. Er sah, wie der Bildschirm
schwarz wurde. Der Bürostuhl rollte weg. Mit den Händen
klammerte er sich an seine Schreibtischkante, aber der Abstand
zwischen dem Stuhl und dem Schreibtisch wuchs weiter. Er
konnte sich nicht mehr halten, es riss es ihn von der Sitzfläche.
Krachend stürzte er auf das Parkett seines Zimmerbodens.
„Was zum Teufel machst du da, Junge?“, fragte sein Vater. Er
schielte über die Schulter seiner Mutter, die, mit den Händen in
die Hüften gestemmt, dastand und den Kopf schüttelte.
„Könnt ihr nicht klopfen?“, zischte er. „Normale Eltern machen
das auch.“
„Normale Kinder bereiten ihren Eltern auch nicht so einen
Kummer“, antwortete seine Mutter kühl.
Florian stand auf und rieb sich die Schulter. Der Sturz hatte
ganz schön wehgetan. Langsam setzte er sich in seinen Stuhl,
darauf bedacht, dass dieser nicht wieder wegrutschte. „Was
wollt ihr?“, fragte er nach einigen Sekunden der Stille.
„Nicht in diesem Ton, Freundchen!“, maßregelte ihn sein
Vater.
„Deine Lehrerin hat angerufen“, schaltete sich seine Mutter ein.
„Du bist heute wiederholt durch Unterrichtsstörungen
aufgefallen. So kennen wir dich gar nicht. Das habe ich ihr
auch gesagt. Aber sie meint, dass du längst kein
unbeschriebenes Blatt mehr an der Schule seist. Seit Anfang
des Schuljahres fällst du ständig auf. Das ganze Kollegium
fragt sich, was bei dir los ist. Bei uns los ist. Ist es dir eigentlich
egal, wie deine Lehrer von uns denken?“ Mit jedem Satz wurde
sie lauter. Die letzte Frage schrie sie beinahe.
„Nein, Mama“, sagte Florian und senkte den Kopf. „Das liegt
alles an Frau Katze. Die bekommt keine Ruhe in ihren
Unterricht. Jeder stört, aber mich hat sie auf dem Kieker.“
„Ach so. An Frau Katze liegt das. Und an dir nicht? Habe ich
dir beigebracht, dass du das machen sollst, was alle machen?
Oder habe ich dir beigebracht, deinen eigenen Kopf zu
benutzen? Mensch, denk doch mal nach. Es geht hier um dich.
Wenn die anderen ihre Zukunft aufs Spiel setzen wollen, dann
sollen sie das meinetwegen tun. Aber doch nicht mein eigener
Sohn.“
„Es tut mir leid“, stammelte er.
„‘Es tut mir leid‘ reicht dieses Mal nicht, junger Mann. Du
fährst jetzt den Computer herunter und dann bringst du mir das
Stromkabel!“
„Muss das sein?“ Immer verbietet sie alles Elektronische,
dachte er. Als ob ihr nichts Besseres einfiel.
„Ja, das muss es. Los“, blieb sie unerbittlich.
Florian sah seine Eltern auffordernd an. Aber sie blieben
stehen, als ob sie festgewachsen wären. Mit der Hand machte er
eine Geste.
„Nicht in diesem …“, setzte sein Vater an, biss sich dann aber
auf die Lippe, weil ihm selbst auffiel, dass Gestiken keinen
Tonfall hatten, den er kritisieren konnte. „So kannst du deine
Schulkameraden herumscheuchen, aber nicht uns“, sagte er
nach kurzem Überlegen.
„Könnt ihr bitte rausgehen?“ Er verdrehte die Augen. Aber
seine Eltern machten keine Anstalten, das Zimmer zu verlassen.
„Ich bringe euch das Kabel in einer Minute“, fügte er hinzu.
„Du schaltest den PC jetzt aus. Sofort. Wir gehen nicht“, ließ
ihn seine Mutter wissen.
Sein Herz begann, schneller zu schlagen. Er konnte den
Bildschirm unmöglich wieder anschalten. Wenn seine Eltern
bemerkten, was er sich ansah, dann hing der Haussegen
garantiert schief. Also beugte er sich zum Rechner herunter, um
ihn, ohne ihn vorher herunterzufahren, auszuschalten.
„So schaltet man keinen Computer aus“, rief sein Vater. Aber
Florian ignorierte den Zwischenruf und drückte den erlösenden
Knopf. Sein Vater schüttelte nur den Kopf, drehte sich um und
verließ das Zimmer. Seine Mutter dagegen streckte auffordernd
die Hand aus. Er kam der Aufforderung nach, entfernte das
Stromkabel und händigte es ihr aus.
„Na, geht doch. Und jetzt schreibst du fünf Seiten aus deinem
Geschichtsbuch ab. Darauf haben Frau Katze und ich uns
verständigt. Wenn du fertig bist, dann bringst du sie zu mir und
lässt mich unterschreiben.“ Sie verließ das Zimmer.
Seufzend lehnte Florian sich in seinem Bürostuhl zurück. Sie
verstanden es nicht. Sie verstanden nichts. Sie wollten einfach
nur, dass er so war, wie sie es sich vorstellten. Aber was er
wollte, das fragten sie ihn nicht. Sie kommen und meckern,
dachte er. Anstatt zu fragen, warum er sich so verhielt.
Es klingelte. Frau Katze betrat den Klassenraum. Florian hatte
die Strafarbeit schon vor der Stunde heimlich aufs Pult gelegt.
Seine Mitschüler sollten nicht merken, dass er nachgiebig war.
Es ärgerte ihn, dass Frau Katze seine Schwachstelle gefunden
hatte. Andere Menschen mussten sie nicht auch noch erkennen.
„Jetzt geht’s los“, flüsterte Nazim ihm zu. Die Vorfreude stand
seinem Mitschüler ins Gesicht geschrieben. Frau Katze ließ alle
Schüler zur Begrüßung aufstehen.
„Guten Morgen“, begrüßte sie die Klasse. Statt
zurückzugrüßen, begannen alle im Klassenzimmer das Gebell
von Hunden zu imitieren. Frau Katze lief rot an. Das hast du
davon, dachte Florian. Es war nicht seine Idee gewesen, aber er
durch den Kopf. Sie las den Zettel, grinste und reichte ihn
weiter.
„Guck mal“, rief Sven als er den Zettel bekam. „Florian David
möchte sich für sein Verhalten entschuldigen“, las er vor.
„Hör auf“, rief Florian. Das konnte er sich nicht bieten lassen.
Wenn Sven es schaffte, ihn vor allen zu blamieren, würden sie
ihn wochenlang damit aufziehen.
Frau Katze drehte sich um. „Leg den Zettel weg“, wies sie
Sven an. Aber der dachte nicht daran.
„Eigentlich ist er ein lieber Junge. Er spielt Geige und zeigt
auch sonst durch Kunst und Kultur seine ausgeprägte“, er hielt
inne. „Se-ni-blität“, las er stotternd.
„Es heißt Sensibilität, du Hundesohn“, brüllte Florian. Er
spürte, dass sich Wut in ihm nach oben kämpfte. Kaum
ausgesprochen, bereute er den Ausdruck. Vor allem in Frau
Katzes Gegenwart. Sicherlich würde es zu seinen Eltern
durchdringen. Innerlich verabschiedete er sich für eine
unabsehbare Zeit von seinem Computer.
„Florian David …“, rief Frau Katze schockiert. Sie kam nicht
dazu, den Nachnamen auszusprechen.
Durch die Beleidigung angestachelt, warf Sven den Zettel weg
und sprang auf. Auch Florian stand inzwischen. „Wen nennst
du hier einen Hundesohn?“, schrie sein Mitschüler wütend.
„Dass du das noch fragen musst, zeigt wie es um dich bestellt
ist. Dämlich wie ein Straßenköter“, spottete Florian. Eigentlich
wollte er das nicht. Er wusste genau, dass dieser letzte Satz zu
einer Prügelei führen würde. Aber er war auf das Kräftemessen
eingegangen, jetzt gab es kein Zurück mehr. Wenn er jetzt
nachgab, dann käme das einer Niederlage gleich.
Sven sprang auf ihn zu. Die beiden prügelten aufeinander ein,
angeheizt durch die Rufe der Klasse. Frau Katze machte einen
Satz und sprang zwischen die beiden. Sie zog Florian nach
hinten. Er war erstaunt, wie viel Kraft seine Lehrerin
aufbringen konnte.
„Setzen! Sofort!“, brüllte sie. „Was glaubt ihr, wo wir hier
sind? Das ist doch kein Hundezwinger! Das hier ist ein
Klassenraum. Also benehmt euch auch so.“
Leicht zitternd blieb sie zwischen den Kontrahenten stehen.
Ihre Augen blitzten böse. Erst als beide wieder auf ihren
Plätzen saßen, schien sie sich zu entspannen. „Das wird ein
Nachspiel haben, meine Herren. Bereitet eure Eltern lieber
schon darauf vor, wenn ihr nach Hause kommt.“
Florian seufzte. Er wünschte, dass er zuhause den gleichen Mut
aufbringen könnte, um sich gegen seine Eltern aufzulehnen.
Aber er wusste, dass sie einfach am längeren Hebel saßen.
Eines Tages, dachte er, wird sich das Blatt schon wenden.


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