Akúo – Matthias Delbrück

Es kitzelte leicht am Hals, ein feuchter Hauch am Ohr, wie ein Tautropfen. Er riss seine Augen auf und sah ein Frauengesicht von sich zurückweichen. Dann stand die Figur im Gegenlicht der viel zu warmen Novembersonne vor ihm und blickte mit leicht geöffnetem, aber schweigendem Mund auf ihn und sein halb besetztes Zweiertischchen. Und schien ihn trotz seinem leuchtend hellgelben Pullunder auch wieder nicht richtig zu sehen. Und dies lag nicht nur an ihren dunklen, strubbeligen Stirnfransen, ihre Augen wirkten irgendwie grundsätzlich unscharf. Sie waren so bräunlich-blass wie ihr Strickpullover.

Wie oft passiert einem denn sowas? Du döst vor dem Marktcafé einmal kurz weg, und schon steht eine unbekannte Frau vor dir und hat dich geküsst. Aufs Ohr! Und jetzt?

„Hallo! Ich bin deine Muse.“ Ihre Lippen bewegten sich auch beim Sprechen kaum. „Du bist Friedhelm; Friedhelm Lorenz, aus Lützelsachsen, 28 Jahre? Der schwerhörige Verlagsangestellte?“

Er rutschte etwas auf seinem Metallstuhl herum, fühlte sich irgendwie ertappt. „Na ja, ein Verlag ist das schon, aber ich mache eher EDV. Meistens so Sachen, die man auch sein lassen könnte … ja und sorry, ich höre tatsächlich nicht so gut.“

Was soll denn das jetzt? So persönlich antwortet man doch nicht einer Wildfremden. Und warum verstehe ich die überhaupt so gut? … Hat sie wirklich „Muse“ gesagt?

Die Frau, die jünger als ihr Outfit wirkte, hockte sich vor Friedhelm hin, neben den freien Stuhl, den Kopf knapp über der Tischkante. „Also das war wohl ein Ja, Friedhelm, dann bin ich hier richtig. Außer dir kann mich übrigens niemand sehen oder hören. Ich bin ja auch jetzt deine Muse und nicht denen ihre.“ Ihre Position schien nicht wirklich bequem zu sein. „Ähm, wenn ich mir so zuhöre, da merkt man doch gleich, dass ich nicht die Große Muse der geschliffenen Formulierung bin, nee, wirklich nicht. Die göttliche Popi wäre jetzt bestimmt entsetzt. Ich meine natürlich Kalliópe. Ach …“. Ihre Lippen formten ein merkwürdiges Lächeln, als ob sie auf einen höflichen Widerspruch oder aber eine Zurechtweisung warten würde. Sie stand wieder auf. „Möchtest du nicht wissen, was für eine Muse ich bin?“

Friedhelm atmete tief durch, trank seinen aromatisierten Kaffee leer und betrachtete die ätherisch-wuschelige Erscheinung vor sich genauer. Stupsnase, nicht wirklich modisch abgenutzte Cordhose, die Daumennägel violett lackiert (aber nur die), schwarze Aerobicstulpen. Momo fiel ihm ein, Heathcliff und Cathy aus Wuthering Heights. Ob sie wirklich nur für ihn existierte? Für eine überirdische Erscheinung hielt sie sich reichlich unbeholfen an ihrer zu kleinen Handtasche fest. Mit einem Mal wollte Friedhelm ganz unbedingt wissen, was sie für ein Wesen war. Er machte eine einladende Handbewegung, streifte dabei aus Versehen kurz ihren Ärmel. „Von Musen habe ich schon eine ganze Menge gelesen, die sahen aber irgendwie anders aus. Möchtest du was trinken? Trinken Musen?“

„Ja – aber nicht hier, also, nicht so. Was ich sagen wollte, ich heiße Akúo und bin die Muse des Zuhörens. Ich glaub’, wir reden besser wann anders miteinander.“ Sie ahmte diese Zweifinger-Faust-Geste der Mobilgeneration nach und fügte dabei leise, fast um Entschuldigung bittend hinzu: „Ich werd’ mich dann mal bei dir melden.“ – und verschwand so plötzlich, wie sie vor zehn Minuten an seiner Seite aufgetaucht war.

 

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