Racheträume – Kapitel 1
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / Dezember 28, 2018

1 Wie jeden Morgen war Julia Schreiner auch heute um kurz vor sechs aufgestanden, um Felix einen Kaffee aus der Kapselmaschine zu lassen und ihm wie immer mit einem gequälten Lächeln ans Bett zu bringen. Sie goss einen Schuss Milch hinein, stellte den Tetra Pak zurück in den Kühlschrank und schwang die Tür zu. Ihr Verlobter lag breitbeinig auf dem Bett, seinen linken Arm angewinkelt unter dem Kopf. Der Fernseher lief in einer unangenehmen Lautstärke. Wie immer flimmerte eine Sendung über den Bildschirm. Dieses Mal eine, in der Leute billig Häuser kauften, nur um anschließend festzustellen, was für eine Bruchbude ihre neueste Errungenschaft war und daran waren nie sie selbst schuld. Eine Sendung über Männer, die davon überzeugt waren, Zimmermänner, Dachdecker, Maurer und Elektriker in einem zu sein und es war eine Sendung über Frauen, die sich stets lautstark zu beschweren wussten, wenn sie mal mitanpacken mussten, denn sie delegierten viel lieber. »Guten Morgen«, grüßte sie ihren Liebsten und stellte die Tasse auf seinen Nachttisch. »Bring mir noch ein Glas Wasser«, brummte er. Sie gab ein leises »Mhm« von sich, fuhr herum und begab sich in die Küche. »Lass das Wasser eine Weile laufen!«, brüllte er ihr hinterher. »Mach ich.«…

Ein Sommer auf Rab – Kapitel 4

In ihrem roten Yugo, den sie von ihrem Großvater zur bestandenen Fahrprüfung bekommen hatte, bretterte Ana gen Süden. Sie hatte den Karren schon einige Male verkaufen und sich einen neuen beschaffen wollen, hatte es dann aber doch nie übers Herz gebracht. Ana hatte ihn nun schon zwanzig Jahre und er ging mit ihr durch alle Höhen un…

Rudelkämpfe – Oliver Bruskolini

Kennst du dieses Gefühl, dich immer wieder beweisen zumüssen? Wenn du dich immer wieder durchsetzen musst, umdir das Standing zu erarbeiten, das du gerne hättest? JedesRudel hat sein Alphatier, selten von Geburt an. Eine solchePosition muss erkämpft werden. Ein Beispiel hierfür sindHunde. Im Rahmen der Familie wissen die Vierbeiner um ihrePosition, wissen, dass die Rolle des Alphatiers dem Halterzufällt. Aber wenn du deinen Hund auf einer Hundewiesespringen lässt, gemeinsam mit anderen Hunden, dann wird sichsein Verhalten verändern. Er beginnt, um eine Position zukämpfen. Dabei verhält er sich vollkommen anders, als du esvon zuhause kennst. Ist dieses Verhalten bei Menschen anders?„Florian David Jakobson“, ertönte die Stimme seiner Mutter. Erkannte diese Tonlage. Seufzend stieß er sich von seinerSchreibtischplatte ab und ließ den Bürostuhl zurückrollen.Dabei bemerkte er, dass er vergessen hatte, den Bildschirmseines Computers auszuschalten. Er geriet in Hektik, beugtesich nach vorn und streckte sich nach dem Knopf, der ihm einepeinliche Situation ersparen konnte.Fast schon mit einem Hechtsprung gelang es ihm, den Schalterzu betätigen. Dann passierte alles auf einmal. Er hörte, wie dieTür zu seinem Zimmer aufflog. Er sah, wie der Bildschirmschwarz wurde. Der Bürostuhl rollte weg. Mit den Händenklammerte er sich an seine Schreibtischkante, aber der Abstandzwischen dem Stuhl und dem Schreibtisch…

Racheträume – Prolog
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / Dezember 21, 2018

Des Nachts liege ich wach, wälze mich gequält hin und her und warte, dass die Sonne aufgeht. Seit Lynn nicht mehr bei mir ist, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Hätte ich mehr Mut, würde ich meinem Leben ein Ende bereiten, aber…

Ein Sommer auf Rab – Kapitel 3

Der Bora zeigte sich von seiner besten Seite und der Bus ruckelte beängstigend. »Hier drinnen passiert uns nichts, keine Sorge«, hauchte Filip. Suzana schaute aus dem Fenster und spürte seinen Blick im Nacken. Sie ermahnte sich ruhig zu bleiben und keine negativen Gedanken zuzulassen. Um auf andere Gedanken zu kommen erinnerte sie sich an den Sommer vo…

Ein Sommer auf Rab – Kapitel 2

Desolat. So konnte man den Zustand des Vorgartens beschreiben. Barbara traute ihren Augen kaum. Der Anblick stimmte sie traurig. Es war unordentlich, einfach unmöglich. Der Rasen war offensichtlich seit einigen Wochen nicht mehr gemäht worden, ein rotes Bobby-Car lag mit dem Lenkrad nach unten im Schildkrötenförmigen, grünen Sandkasten, dessen Deckel (de…

Ein Sommer auf Rab – Kapitel 1

1 Suzana übergab ihre gelbe Tasche, auf der in blauer Schrift Camel abgedruckt war, dem massigen Fahrer. Argwöhnisch schaute sie zu, wie er ihr Gepäck nicht wirklich sorgsam in das Fach pfefferte. Es war ihr äußerst unangenehm mit einer Tasche dieser Farbe zu verreisen, aber da ihr Hartschalenkoffer nach einer Ausleihe an ihre Freundin nicht mehr zurückgekommen war, hatte sie keine andere Möglichkeit gehabt. Wie immer war sie spät dran gewesen und hatte keine Zeit mehr gehabt, sich einen neuen Koffer zu besorgen. Glücklicherweise verkehrten ihre Freunde und Kunden nicht am Busbahnhof. Sie stellte sich zur Seite, um Platz für die anderen Passagiere zu machen. Ihre Füße schmerzten. Schon seit zwei Stunden steckten sie in den roten High Heels, die sie eine Nummer zu klein gekauft hatte. In ihrer Größe hat es keine mehr gegeben und sie hatte unbedingt dieses Paar gewollt. Denn wenn Suzana etwas wollte, dann nahm sie es sich. Auch wenn das hieß, zu kleine Schuhe zu tragen. Neben ihr stand ein Mann, ungepflegt, mit einem Glimmstängel zwischen den rissigen Lippen. Sie rümpfte die Nase bei diesem Anblick. Der Typ stank nicht nur nach Tabak, sondern auch nach Alkohol. Wenn der nachher nur nicht neben mir sitzt,…