Kapitel 15

„Herr ibn Sara“Meine Stimme ist so sanft, wie nur irgend möglich. „Sie können ganz offen mit uns sprechen.“„Meinen Sie nicht, es ist endlich an der Zeit?“ Auch Diana spricht tief und leise. So beruhige ich erschreckte Pferde – und verängstigte Männer.Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich Frieda zu diesem Gespräch dazu holen soll. Dagegen sprach, dass e…

Kapitel 14

Ich beschließe, erst einmal die Richtung zu wechseln, damit sich Herr Gittesmann entspannt.„Gut. Dann erzählen Sie uns doch erst mal ein bisschen über sich!“Was folgt, ist so gähnend langweilig, dass ich eingeschlafen wäre, hätte ich nicht die Feder bedienen müssen. Mirko Gittesmann ist genau so, wie er aussieht: unbedarft, zuckersüß und naiv. Sein Intellekt reicht an seine Körperkraf…

Kapitel 13

Lagebesprechung in der Teeküche. Obwohl wir bereits zwei der drei Frauen hier vernommen haben, sind die Erkenntnisse spärlich.„Ich werde immer noch nicht so recht schlau daraus, was Frau Konstanze hier eigentlich gemacht hat“, beklagt sich Diana, „Jede erzählt etwas anderes. War sie nun wichtig oder nicht?“„Warten wir mal ab, was Frau Friedasdother, ihr Mann und Herr ibn Sara daz…

Kapitel 12

„Was können Sie mir über die Tote sagen?“, wechsle ich die Richtung.„Verena ist… war ein nicht besonders umgänglicher Mensch.“„Wie meinen Sie das?“„Nun, sie blieb gern für sich. Und zwischen ihr und den anderen gab es Spannungen.“„Welcher Art?“Frau Miranewa zuckt mit den Schultern. „So genau kann ich Ihnen das auch nicht sagen. Da müssen Si…

Racheträume – Kapitel 30
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / September 6, 2019

30Die Zeit zwischen dem Drücken der Klingel und dem Öffnen der Wohnungstür fühlte sich für Schreiner an wie eine Ewigkeit. »Julia, was machst du denn hier?«, fragten sie zwei erstaunte Augen. »Kann ich reinkommen?« »Klar doch. Natürlich.« Er öffnete die Tür gänzlich und ließ sie eintreten. Sie folgte ihm in das Wohnzimmer. Eine Sitzgarnitur aus schwarzem Leder…

Kapitel 11

Der Weg führt uns durch einen Flur zwischen dem Empfangsraum und einem Abstellraum. Der Durchgang zum Jungenflügel ist gerade fraubreit und durch eine robust aussehende Tür gesichert. Die allerdings wenig nützt, wenn sie nicht abgeschlossen ist. Als wir die zweite Haushälfte betreten, fühle ich mich, als wäre ich in einen Spiegel gefallen: Alles sieht genauso aus wie drüben, nu…

Racheträume – Kapitel 29
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / August 30, 2019

29Die fahle Gesichtsfarbe und die dunklen Schatten unter ihren Augen ließen Iris Manser um Jahre älter aussehen, als sie eigentlich war. Verloren saß sie im Stuhl des Verhörraums, presste sichtlich nervös ihre Lippen aufeinander und starrte mit leerem Blick geradeaus. Schreiner und Tschannen hatten ihr gegenüber Platz genommen. »Frau Manser, Sie haben es uns nicht gerade leich…

Kapitel 10

„Gut.“ Ich breite demonstrativ die Arme aus. „Dann sind wir hier erst einmal fertig, Frau von Niebusch. Wenn wir weitere Fragen haben, melden wir uns. Seien Sie bitte wachsam. Frau Sanderin hier,“ ich nicke Frieda zu, „wird Sie nun in den Jungenflügel begleiten.“Noch ehe die verdutzte Frau etwas erwidern kann, hat Frieda sie auch schon mit einer sanften Bewegun…

Racheträume – Kapitel 28
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / August 23, 2019

28Schreiner riss die Augen auf. Der Dreiklang ihres Handys hatte sie aus ihren Gedanken gerissen. Dennis. Am Montag käme er wieder zur Arbeit und damit pendelte sich langsam alles wieder in einen geregelten Ablauf. Sie scrollte herunter zu Tschannens Kontaktdaten und tippte auf den Hörer. »Ja.« »Hey, gibt es was Neues?« »Nein, leider nicht. Battaglia beharrt darauf…

Kapitel 9
Die Tote in der Tränenburg , Romane / August 22, 2019

„Verena war eine sehr gute Mitarbeiterin und ihr Tod ist ein großer Verlust für unser Heim“, fährt die Frau fort.Ich blinzele, bin irritiert. Sie sagt die reine Wahrheit. Merkwürdig.„Und Frau Konstanze ist mit jedem hier gut ausgekommen? Mit allen Angestelltinnen und den Kindern?„Soweit ich weiß, schon.“Lüge.„War sie mit einer hier enger befreundet? Oder einem?“„Nein, nicht, dass ich wüsste.“Wahrheit.„Was gena…