Das Dorf der Druiden – Sophia Alea
Alea Soldanum / Dezember 12, 2016

Sinthari verzog das Gesicht. Im Schutz der Mauern war es völlig egal gewesen, was sie trug, denn der Wind wurde durch Magie und Sonne zu einer angenehmen Brise abgeschwächt. Hier, außerhalb der Mauern, strich der Wind allerdings erbarmungslos über das Land und ließ sie frösteln. Das dünne Hemdchen, das sie trug, bot keinen Schutz gegen das Wetter und das alte, rostige Schwert, das sie zufällig als kleines Mädchen gefunden und seitdem wie einen Schatz gehütet hatte, war wahrscheinlich keine große Hilfe gegen Angreifer. Doch davon würde sie sich von ihrer Aufgabe abhalten lassen. Sie schluckte trocken. Ihr Herz schlug noch immer wild in ihrer Brust, die Aufregung, aus der Stadt raus zu kommen, war überwältigend. Das rhythmische Pochen ihres Herzens vermischte sich mit dem dumpfen Klang ihrer Schritte auf dem goldgepflasterten Weg, der aus Azuralis hinausführte. Sie wusste aus Erzählungen, dass mehrere Wege zu Dörfern, Siedlungen und Stützpunkten auf diese kostspielige Weise angelegt worden waren. Alle diese Straßen waren sicher und wurden regelmäßig von Sonnenelfen genutzt. Nur der Weg in die Badari-Berge war immer wieder von den Trollen zerstört worden. Blut, Knochen und abgebrochene Klingen hatten sich dort mit herausgerissenen Pflastersteinen vermischt und kaum einer wagte sich mehr in diese…

Die gestohlenen Juwelen – Sophia Alea
Alea Soldanum / Dezember 5, 2016

»Du willst was?« Ihre Mutter schnitt weiter das Gemüse in kleine, gleichmäßige Würfel. Nur die erhöhte Tonlage ihrer Stimme verriet ihren inneren Aufruhr. »Mutter, das kann doch jetzt wirklich nicht so überraschen für dich sein! Ich wollte schon immer Teil der königlichen Garde sein! Wieso also so überrascht tun, wenn es sowieso schon bekannt war? Mach dich bitte nicht lächerlich!« Kaum hatte sie den letzten Satz ausgesprochen, hätte sie sich am liebsten die Zunge abgebissen. Es war nicht klug, ihre Mutter zu reizen, war sie doch die einzige, die ihrem Vater das Gold aus den Taschen locken konnte, um der Tochter die Rüstung zu bezahlen. Und diese würde sie brauchen, wenn sie ihre Ausbildung zur königlichen Kriegerin beginnen wollte. »Es tut mir leid. Ich wollte … das hätte ich nicht sagen sollen. Aber du weißt, wie sehr ich mir wünsche, eine Kriegerin zu sein. Bitte, hilf mir!« »Deine Schwestern hatten wenigstens realistische Wunschvorstellungen. Du allerdings – sieh dich doch mal an! Du bist klein, schmal und schwach!« Ihre Mutter drehte sich abrupt um, das Messer in der Hand. Sinthari wich einen Schritt zurück. Sie wusste, dass ihre Mutter impulsiv war und ihre Worte gerne mit Hand und Fuß untermalte, um…