Racheträume – Kapitel 30
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / September 6, 2019

30Die Zeit zwischen dem Drücken der Klingel und dem Öffnen der Wohnungstür fühlte sich für Schreiner an wie eine Ewigkeit. »Julia, was machst du denn hier?«, fragten sie zwei erstaunte Augen. »Kann ich reinkommen?« »Klar doch. Natürlich.« Er öffnete die Tür gänzlich und ließ sie eintreten. Sie folgte ihm in das Wohnzimmer. Eine Sitzgarnitur aus schwarzem Leder…

Racheträume – Kapitel 29
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / August 30, 2019

29Die fahle Gesichtsfarbe und die dunklen Schatten unter ihren Augen ließen Iris Manser um Jahre älter aussehen, als sie eigentlich war. Verloren saß sie im Stuhl des Verhörraums, presste sichtlich nervös ihre Lippen aufeinander und starrte mit leerem Blick geradeaus. Schreiner und Tschannen hatten ihr gegenüber Platz genommen. »Frau Manser, Sie haben es uns nicht gerade leich…

Racheträume – Kapitel 28
Romane , Sanela Egli, "Racheträume" / August 23, 2019

28Schreiner riss die Augen auf. Der Dreiklang ihres Handys hatte sie aus ihren Gedanken gerissen. Dennis. Am Montag käme er wieder zur Arbeit und damit pendelte sich langsam alles wieder in einen geregelten Ablauf. Sie scrollte herunter zu Tschannens Kontaktdaten und tippte auf den Hörer. »Ja.« »Hey, gibt es was Neues?« »Nein, leider nicht. Battaglia beharrt darauf…

Racheträume – Kapitel 27

27Langsam aber sicher ging Tschannen ihr auf die Nerven. Warum wollte er sie andauernd loswerden? Brauchte er einfach mal wieder eine wilde Braut an seiner Seite oder gab es da etwas, von dem sie nichts wusste? Als sie ihn zuletzt angesehen hatte fiel ihr auf, dass er müde aussah, fast schon kränklich. Er war blass und hatt…

Racheträume – Kapitel 26

26Zwei Minuten vor eins bugsierte Schreiner ihren Wagen in die schmale Parklücke, huschte über den Platz in das Präsidium und rauf zum Verhörraum. Sie stieß die Tür mit einem Schwung auf, sodass Tschannen zusammenzuckte, wofür sie einen scharfen Blick erntete. So wie er da saß, in die Lehne gesungen, spickte sein Bauch heraus und brachte das Hem…

Racheträume – Kapitel 25

25»Das war Rettung in letzter Sekunde«, meine ich zu Rosa. »Die wird ganz schöne Kopfschmerzen haben«, sagt sie und lacht. Von der Straße weiter oben sind Sirenen zu hören. Ich schaue hinüber und sehe die Blaulichter durch die Bäume blitzen. »Los!«, faucht Rosa. »Schneller, oder willst du dich erwischen lassen?« Mein Fuß meldet sich mit stechenden Schmerzen…

Racheträume – Kapitel 24

24Es war früher Vormittag, als Schreiner aus dem Krankenhaus kam und völlig ermattet die Haustür hinter sich zusperrte. Tschannen war so freundlich gewesen und hatte sie nach Hause gefahren. Sie schlüpfte aus den Schuhen, legte das Holster und die Handschellen, die sie wieder zurückbekommen hatte, ab und zog noch in der Diele die Hose aus. Ihre Händ…

Racheträume – Kapitel 23

23Das Licht der Laterne flackerte und machte es schwer für Schreiner genauere Mimik und Gestik ihres Gegenüber zu erkennen. »Iris Manser?«, fragte sie, ihre Hand zum Holster wandernd. Von Sekunde zu Sekunde, die Schreiner damit verbrachte die vermutete Iris Manser zu mustern, wurde ihr deutlicher, dass das spärlich erkennbare Profil und die Haare nicht übereinstimmten mit de…

Racheträume – Kapitel 22

22In Gedanken versunken saß sie auf dem Sofa, die Ellbogen auf den Knien abstützend, die Hände zu Fäusten geballt, das Kinn darauf gelegt. Jetzt war klar, wie jemand in das Haus kommen konnte: durch den Keller. Mit leerem Blick starrte sie den leergegessenen Teller an. Das Klingeln ihres Handys ließ sie aufschrecken. Tschannen. »Ja.« »Hey, Schreiner. Ha…

Racheträume – Kapitel 21

21Das mehrmalige Klopfen lässt mich erschaudern. Ist das die Polizei? Nein, das kann nicht sein. Die hätte sich zu erkennen gegeben. Wer zum Teufel war das? »Hey, mach auf«, brüllte es draußen. Ich schlucke schwer, trete an die Tür. Es gibt keine andere Möglichkeit für mich, als sie zu öffnen. Ich schaue zum Fenster, traue mich abe…